Nicht Bio, aber ökologisch
Betriebsleiter Frank Jessen aus Angeln bei Flensburg geht schon seit einigen Jahren seinen eigenen unkonventionellen Weg. Er ist kein Ökobauer, hat aber sein Ackerbausystem quasi »ökologisch reformiert«. Gustav Alvermann hat ihn besucht.
Viel weiter nach Norden geht es in Deutschland nicht. Kurz vor der dänischen Grenze bei Flensburg liegt der Betrieb von Frank Jessen und seiner Familie. Die Ostsee ist nur einen Steinwurf entfernt. Das nördliche schleswig-holsteinische Hügelland hat leicht kupierte sandige Lehmböden; die Bonitäten schwanken stark, prägend sind gut 40 Bodenpunkte. Regen gibt es mit mehr als 800 mm übers Jahr genug, aber die meisten Niederschläge fallen zur falschen Zeit im Herbst.
Das Geschäftsmodell
Gemessen an der Pachthöhe ist die Region Angeln teuer. Futterbau und Veredelung spielen traditionell eine große Rolle; hinzu kamen vor 15 Jahren viele Biogasanlagen. Der Landkreis Schleswig-Flensburg ist dadurch stark mit organischen Düngern versorgt, was die Pachten treibt. Bei nicht optimaler Bodengrundlage für Hackfrüchte kommt reiner Ackerbau hier nicht weit.
Jessen hat etwa drei Viertel seiner 150 ha Ackerland gepachtet. Neben Druschfrüchten in der Außenwirtschaft bildet eine umfangreiche Legehennen-Boden- und Freilandhaltung die tragende Säule des Betriebes. In der Vermarktung überwiegt der direkte Weg in regionale Lebensmittel-Frischmärkte. Ergänzt wird das Ganze durch Bewirtschaftungsverträge für zusätzliche 80 ha Acker und chemischen Pflanzenschutz auf weiteren 200 ha.
Die Region liegt in Schleswig-Holstein im nördlichen schleswig-holsteinischen Hügelland; die Eiszeit hat dort leicht kupierte sandige Lehmböden hinterlassen. Regen gibt es mit mehr als 800 mm genug, doch die Niederschläge fallen häufig im Herbst. Die Erledigung des chemischen Pflanzenschutzes auf weiteren 200 ha gehört ebenfalls zum Geschäftsmodell.
Produktionskonzept
Die heutige ackerbauliche Vorgehensweise entwickelte sich Schritt für Schritt parallel zum Ausbau der Legehennenhaltung. Neben der eigenen Hühnergülle von etwa 0,9 Dungeinheiten pro ha nimmt Frank Jessen übers Jahr weitere 800 m³ Gülle aus einem benachbarten Milchviehbetrieb auf. Diese Verbundwirtschaft praktiziert er seit 20 Jahren.
Auch die Erweiterung der Fruchtfolge erfolgte etappenweise: von Raps – Winterweizen – Winterweizen/Winterroggen – Wintergerste über Ackerbohnen und Sommergerste bis zur heutigen Fruchtfolge mit Raps, Winterweizen, Sommergerste, zweijähriger Grassamenvermehrung, Ackerbohnen und Wintergerste.
Parallel wurde die Bodenbearbeitung sukzessive zurückgefahren. Heute sorgen Pflanzenwurzeln, Regenwürmer und eine schonende vertikale Bodenbearbeitung mit schmalem Grubberschar für Bodenstruktur und Wasserführung. Für den Betriebsleiter stand die Verbesserung der Regenverdaulichkeit seiner Böden im Vordergrund.
Der Artikel nennt die Fruchtfolge-Schritte ausdrücklich: Ausgangssituation Raps – Winterweizen – Winterweizen/Winterroggen – Wintergerste; danach als zweite Blattfrucht Ackerbohnen; anschließend der Ersatz von Stoppelweizen durch Sommergerste und Grassamenvermehrung; zuletzt der Übergang zu zweijähriger Grassamenvermehrung. Die Nährstoffergänzung aus Rindergülle ergänzt den Legehennenkot und unterstützt Humuswirkung und Bodenbelebung.
Technik und Gesamtergebnis
Die Herbstnässe prägt auch die Technik. Der große Schlepper für gut 200 ha bewirtschaftetes Ackerland hat 140 PS, wiegt 6,5 t und ist mit breiten Niederdruckreifen ausgerüstet. Der Luftdruck wird an der unteren Grenze für den Arbeitseinsatz angepasst. Eine 4,8-m-Spatenrollegge erledigt die Stoppelbearbeitung und Bestellvorbereitung, eine selbst konstruierte 5-m-Zinkensämaschine liefert schnelle und gute Ergebnisse.
Das acker- und pflanzenbauliche Ergebnis ist gleichermaßen gut. Die Böden zeigen sich bei der Spatendiagnose auch im nassen Herbst 2019 krümelig, mit vielen Poren und Regenwürmern. Die mehrjährigen Durchschnittserträge nennt der Artikel mit Winterraps 44 dt/ha, Winterweizen 95 dt/ha, Sommergerste 60 dt/ha, Grassamen 14 dt/ha, Ackerbohnen 57 dt/ha und Wintergerste 90 dt/ha.
Frank Jessen nutzt ackerbauliche Elemente, die sich auch im ökologischen Landbau als stabilisierend erweisen: Verbundwirtschaft, Fruchtfolge und technischer Bodenschutz. Als konventioneller Landwirt hat er zusätzlich Herbizide im Werkzeugkoffer, hat die technische Bodenbearbeitung aber noch weiter reduziert als es einem Ökobauern im maritimen Klima möglich ist. Auf den Pflug verzichtet er seit mehr als 15 Jahren komplett.
Gemeinsam ist beiden Produktionsrichtungen, dass für jeden Betrieb neben einem funktionierenden Geschäftsmodell ein Produktionskonzept entwickelt werden muss, das Bodengrundlage und natürliche Umwelt schont. Im vorliegenden Beispiel ist das auffallend gut gelungen.
Die Technikdetails bleiben Teil der Bewertung: Neben dem 140-PS-Schlepper gibt es einen zweiten Schlepper mit 115 PS. Die Ausstattung mit 600er Vorder- und 710er Hinterreifen, niedriger Luftdruck, eine 4,8-m-Spatenrollegge und die 5-m-Zinkensämaschine dienen der Schlagkraft bei Bodenschonung. Falls Wirkstoffe wie Glyphosat wegfallen, sieht Jessen sein System als anpassungsfähig, ohne generell wieder pflügen zu müssen.