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Einfache Lösungen sind oft zu einfach

Einfache Lösungen sind oft zu einfach

1. April 2021AckerbauPresse-ArtikelConrad Thimm

Bisher gilt der Ökolandbau als in sich geschlossenes System. Aber das ändert sich: Wie bei fast allen Landwirten zählen auch hier Vereinfachung und Spezialisierung. Conrad Thimm zeigt, wie wir aus eingefahrenen Denkmustern herauskommen.

Die bisherigen Erfolge der konventionellen Landwirtschaft beruhen stark auf linearem Denken nach dem Muster »Stickstoff knapp, Stickstoff düngen«. Vor dem Hintergrund von Resistenzen, Düngeverordnung, Pestizid-Beschränkungen und gesellschaftlichen Anforderungen müssen inzwischen aber auch konventionell wirtschaftende Betriebe komplexer denken.

Heute mineralische N-Düngung, morgen stattdessen Kleegras? Statt linearen Denkens ist Vernetzung gefragt, auch wenn vieles unübersichtlicher wird. — Foto: landpixel

Ökolandbau: vom Gegenbild zum Vorbild?

Zur DNA des Bio-Landbaus gehört systemisches Denken: gesunder Boden, gesunde Pflanzen, gesunde Tiere und gesunde Lebensmittel. Kleegras steht dabei für Futter, Stickstofflieferung, Unkrautregulierung und mehr. Auch der Ökolandbau entgeht jedoch Vereinfachung und Spezialisierung nicht. Große spezialisierte Öko-Marktfruchtbetriebe entstanden, und manche sahen die Umstellung auf Bio nur als Ersatz von Stickstoffdünger durch Kleegras und Herbiziden durch Striegel oder Hacke.

Gustav Alvermann verweist dagegen auf zahlreiche Lösungswege der Beikrautregulierung: Fruchtfolge, falsches Saatbett, doppelte Ansaat, Beisaaten, Stickstoffabregelung bei Körnerleguminosen und weitere Ansätze.

Herbizide einfach durch Hacken zu ersetzen, ist ein Beispiel dafür, wie Ackerbau künftig nicht mehr funktionieren wird. — Foto: DLG-Mitteilungen

Vielfalt neu denken

Zurück zum vielseitigen Familienbetrieb will kaum jemand, der die Vorteile von Fokus, Überschaubarkeit und Kompetenz kennt. Deshalb ist »Vielfalt neu denken« gefragt: im eigenen Betrieb oder im Verbund mit anderen Betrieben. Klassische Beispiele sind Marktfruchtbetriebe, die Kleegras an Milchviehbetriebe liefern und Mist oder Gülle zurückbekommen, oder Verbünde mit Biogas- und Legehennenbetrieben.

Natürliche Standortfaktoren machen das Denken anspruchsvoller. Norddeutschland wird etwa regelmäßig durch Frühjahrstrockenheit herausgefordert: keine direkten Trockenschäden, aber gravierender N-Mangel im Mai. Hier sind nicht Rezepte gefragt, sondern Lösungsvielfalt aus Denkvielfalt.

Nicht Rezepte sind künftig gefragt, sondern Ansätze, die aus Vielfalt entstehen.

— Conrad Thimm, Moderator und Berater
Conrad Thimm, Moderator und Berater. — Foto: DLG-Mitteilungen

Anders denken lässt sich nicht verordnen

Ein anderes Denken kann man nicht vorschreiben und auch nicht einfach selbst umstellen. Bei MitmachTagungen wird deshalb der Fokus auf das eigene Denken und die eigenen Hände gelenkt. Austausch, Selbst-Wahrnehmen, spontanes Reden und aufmerksames Zuhören sollen Beteiligung und eigenständiges Denken ermöglichen.

Wenn bei Tagungen Austausch statt Frontalunterricht im Vordergrund steht, kann das neue Perspektiven eröffnen. — Foto: Bio2030

VUKA-Welt und standortbezogene Lösungen

Die Landwirtschaft muss mit einer volatilen, unsicheren, komplexen und ambivalenten Welt umgehen. Statt Einigkeit zu erzwingen, führen vielfältige Methoden zur Anerkennung unterschiedlicher Lösungen, die je nach Umfeld, Standort und Beteiligten berechtigt sein können.

Als Beispiel kritisiert der Beitrag die lineare Hoffnung, echte Biosorten allein würden viele Probleme lösen. Züchtungsvielfalt sei gut, aber Sorte, Standort, Boden, Klima, Betriebsmöglichkeiten und Landwirte seien so verschieden, dass standortgemäße Lösungen entscheidend bleiben.