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Öko und Biogas – das passt!

Öko und Biogas – das passt!

1. März 2019AckerbauPresse-ArtikelGustav Alvermann

Für Öko-Ackerbaubetriebe bietet die Zusammenarbeit mit einem Biogasbetreiber große Chancen. Weniger wegen des Gärrestes, sondern vorrangig wegen des Futterpflanzenanbaus. Worauf es für eine erfolgreiche Kooperation ankommt, sagt Gustav Alvermann.

Kleegras als Biogas-Substrat bringt ackerbaulich die größten Vorteile. — landpixel

„Wir machen aus allem Strom!“ – so kommentiert Jörg Reher, Landwirt in Schleswig-Holstein, mit verschmitztem Lachen die Vergärung von Kleegras mit Disteln in der NAWARO-Biogasanlage in Leezen. Er und sein Schwager Hans Richter-Harder sind Teilhaber einer 1,4-MW-Anlage. Den Hauptanteil der Substrat-Ration macht allerdings konventionell erzeugter Mais aus.

Vor zehn Jahren hatte der Bio-Ackerbauberater vorgeschlagen: „Eure Biogasanlage frisst auch Kleegras!“ Anlass für diesen Impuls war der von den Landwirten Reher und Richter-Harder schon langjährig ökologisch bewirtschaftete Pachtbetrieb Gut Müssen bei Bad Segeberg, heute etwa 200 ha. Hier zeigten sich Symptome einer ackerbaulichen Negativspirale. Der allein auf Leguminosenvorfruchtbasis beruhende Bio-Getreidebau führte zu kontinuierlich absinkenden Erträgen. Im Gegenzug stieg der Unkrautbesatz unübersehbar an. Auch der auf 33 % der Fruchtfolge ausgeweitete Anteil an Grünbrache konnte diesen Trend nicht wirklich stoppen.

Von der Grünbrache zum genutzten Futterbau

Erst der Übergang zu einer sorgfältigen Kleegras-Ansaat im Sommer, möglichst bis Mitte August, einer guten Kalkversorgung zur Ansaat und einer Gabe Patentkali zu Vegetationsbeginn ließ gute Futterleguminosen-Bestände heranwachsen. Nutzt man diese zwei bis drei Jahre lang mit sauberem Schnitt, so ist der Erfolg gegen die Disteln durchschlagend.

Das in der Biogasanlage anteilig vergorene Substrat kommt anschließend nährstoffäquivalent auf die Getreidebestände von Gut Müssen zurück. Die Stickstoffversorgung insbesondere des Wintergetreides gelingt besser: über den Vorfruchtwert des Kleegrases und durch mobilen Gärrest zum Schossen des Getreides. Nun erreichen auch die Druschkulturen wieder etwa 40 dt/ha im Durchschnitt. Die avisierte Fruchtfolge lautet: Kleegras – Kleegras – Hafer – Winterweizen – Dinkel – Sommergerste.

Kriterien für die Zusammenarbeit eines Öko-Ackerbaubetriebes mit einem Biogasbetrieb

KriteriumEinordnung aus dem Artikel
Substrat-Mix der AnlageÖkologisch erzeugte Substrate inklusive Bio-Gülle und Bio-Mist: ja. Konventionelle NAWARO-Anlage: ja. Mitvergärung konventioneller organischer Dünger: nein.
Entfernung der Ackerflächen des Biobauern von der AnlageUnter 10 km ist ok; über 20 km ist schwierig.
Ackerbauliche Zusatzleistung von Bio-SubstratenKleegras: positiv; Ganzpflanzensilage: ok; Mais: negativ.
Netto-Vergütung für das Bio-Substrat nach Ernte und Rücktransport der Gärreste20 €/t Silage ab Feld: positiv; 10 €/t: ok; 0 €/t: negativ.
GärrestausbringungMöglichst effizient und bodenschonend; Ammonium-Verluste und Achslasten niedrig halten.

Kriterien für die Zusammenarbeit

Interessant an diesem Praxisbeispiel ist, dass durch den Übergang auf einen produktiven, genutzten Kleegras-Futterbau ein binnen 15 Jahren heruntergefahrenes Ackerbausystem nach weiteren zehn Jahren wieder gut funktioniert. Hans Richter-Harder schlussfolgert: Ökolandbau macht wieder Spaß, die Disteln sind fast wieder weg, die Erträge steigen langsam weiter. Bestimmte Herausforderungen wie Ackersenf, Fuchsschwanz und Flughafer bleiben.

Oft wird vermutet, dass der Einsatz des Gärrestes der entscheidende Faktor ist. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Betriebsbeispiel zeigt, dass vor allem der Einstieg in einen geordneten zwei- bis dreijährigen Futterbau die Wende brachte. Dass im Gegenzug die Gärreste zurückkommen müssen, versteht sich von selbst.

Die Anbauverbände Bioland und Naturland haben für die Zusammenarbeit mit einer ansonsten konventionell gefütterten Anlage Regelungen formuliert: keine konventionelle Gülle oder Hühnertrockenkot im Substrat-Mix, keine gentechnisch veränderten Pflanzen als Substrat und Rückführung der Gärreste nährstoffäquivalent zur Substratlieferung. Eine Nachfrage beim Verband und der ausgewählten Bio-Kontrollstelle empfiehlt sich immer.

Der Artikel betont außerdem den Nährstoffausgleich: Ein guter Schnitt Kleegras entzieht unter anderem 100 kg Kali pro ha. Bei anteiliger Kleegras-Verwertung in einer Mais-Anlage und entsprechend dünnem Gärrest wird als Verhältnis 1 t Silage zu 2 m³ flüssigem Gärrest genannt. Wer Grundfutter und Stroh abgibt, muss ein vitales Interesse daran haben, dass organische Dünger definiert nährstoffäquivalent zurückkommen.

Bestehende Anlagen als Standortfaktor

Die Vermischung von konventionellen und Bio-Nährstoffströmen ist nicht jedermanns Sache. In der Hochphase des Biogasanlagenbaus entstanden deshalb auch Gärbehälter, die ausschließlich oder überwiegend ökologisch erzeugte Substrate verarbeiten. Als Beispiel nennt der Artikel die Bio-Gemeinschaftsanlage in Schmiechen bei Augsburg, die vorwiegend für die Vergärung von Kleegras konzipiert wurde.

Nach mehreren Anpassungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist der Neubau von Biogasanlagen weitgehend zum Erliegen gekommen. Für Öko-Betriebe und potenzielle Umsteller ist daher eher interessant, die Zusammenarbeit mit einer bestehenden Anlage zu prüfen. Das Vorhandensein einer solchen Gelegenheit muss als deutlich positiver Standortfaktor für einen ökologischen Ackerbaubetrieb bewertet werden.

Zum Schmiechener Beispiel nennt der Artikel eine 350-kW-Anlage, die für die vorwiegende Vergärung von Kleegras konzipiert wurde. Wegen der Faserstoffe des Grases und des hohen Eiweißgehalts des Klees waren Behälter und Rührwerk entsprechend auszulegen; nach Anfangsschwierigkeiten habe sich die Pilotanlage bewährt und diene Bio-Ackerbauern bundesweit als Modell.

Neben konventionellem Mais fließen auch 10 bis 15 % ökologisch erzeugtes Kleegras in die Biogasanlage von Hans Richter-Harder, Jörg Reher und Rolf Hildebrandt. — Richter-Harder

Entfernung, Entlohnung und Bodenschutz

Das Fazit aus den Erfahrungen ist individuell. Es beginnt mit der Entfernung zwischen den Ackerflächen und der Vergärung. Liegt diese deutlich über 10 km, ist das Ganze kein Selbstgänger mehr. Die Anlage in Leezen ist etwa 20 km von den Ackerflächen von Gut Müssen entfernt; dort wurde deshalb zentral zwischen den Ackerflächen eine Gülle-Lagune installiert.

Für den Bio-Ackerbauern ist Kleegras als Substrat am sinnvollsten. Es gewährt die beste Distelregulierung, den höchsten Stickstoff-Gewinn und die effektivste Fruchtfolgeauflockerung. Alternativ kommen verschiedene Ganzpflanzensilagen zum Einsatz. Bio-Mais kommt in der Zusammenarbeit mit konventionellen Anlagen nur selten zum Einsatz.

Über die Vergütung entscheiden regionales Pachtpreis-Niveau und die Versorgungslage der Anlage. In Hochpreis-Regionen geht die Vergütung auf bis zu 30 €/t Silage ab Feld. Häufiger werden Preise um 25 €/t frei Anlage genannt, von denen Ernte- und Transportkosten abgehen. Bei größerer Entfernung kann sich die Entlohnung auf die Beerntung und den Rücktransport des Gärrestes reduzieren.

Die Beerntung von Kleegras oder GPS und der Rücktransport des Gärrestes können ackerbaulich auch nachteilig sein, wenn schwere Technik eingesetzt wird. Bewährt hat sich, wenn schwere Transportfahrzeuge maximal bis zum Feldrandcontainer oder Güllebehälter vordringen und von dort leichteres Gerät die Ausbringung übernimmt.

Fazit

Das ackerbauliche Potenzial der Zusammenarbeit mit einer Biogasanlage ist für einen ökologisch wirtschaftenden Ackerbauern groß. Ob es genutzt werden kann, ergibt sich aus einer Fülle an Details im Einzelfall. Die Zusammenarbeit wird zur Chance, wenn Entfernungen überschaubar, Substraterträge hoch und Achslasten der Transportfahrzeuge niedrig sind.